Der Rothirsch (Cervus elaphus) ist durch die Deutsche Wildtier Stiftung (vgl. Deutsche Wildtier Stiftung, Tier des Jahres 2026) zum Tier des Jahres 2026 gewählt worden und rückt damit in den Mittelpunkt ökologischer, Gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Aufmerksamkeit. Als größtes heimisches wildlebendes Wildtier besitzt er eine herausragende Bedeutung für unsere Heimat und die Landschaft. Sein Einfluss wirkt sich auf Vegetationsstrukturen, Wälder, landwirtschaftliche Kulturen und die Artenvielfalt aus. Sein Verhalten und seine Raumnutzung prägen einen Landschaftsraum und sind Indikatoren für dessen ökologische Qualität. Ein intakter Landschaftsraum und Rückzugsgebiete sind für ihn unerlässlich, weshalb sein Vorkommen viel über den Zustand störungsarmer Wald- und Offenlandschaften aussagt.
Um die Zukunft einer genetisch gesunden Rotwildpopulation auf Deutschlands größter Insel, die jährlich rund sechs Millionen Übernachtungen verzeichnet und vielfältig genutzt wird, nachhaltig zu sichern, führen mehrere Institutionen eine umfassende Analyse durch. Das auf Raum- und Landschaftsplanung spezialisierte Büro Thomas Nießen, die Hochschule Neubrandenburg, die Universität Dresden sowie die Jägerschaft Rügen & Hiddensee arbeiten hierzu bereits an einer detaillierten Lebensraumpotenzialanalyse für Rotwild auf Rügen und Hiddensee. Diese Zusammenarbeit hat das Ziel, die Voraussetzungen für einen genetisch vielfältigen Rotwildbestand detailliert zu sichern und Wege sowie Möglichkeiten aufzuzeigen, die die wildbiologischen Erfordernisse mit der gesellschaftlich notwendigen Raumnutzung verknüpfen. Gerade in den insularen Räumen von Rügen und Hiddensee ist eine ausreichende genetische Durchmischung von zentraler Bedeutung, da isolierte Teilpopulationen langfristig Gefahr laufen, genetisch zu verarmen. Die Analyse soll daher sowohl geeignete Lebensräume identifizieren als auch Möglichkeiten zur Verbesserung der landschaftlichen Durchlässigkeit aufzeigen, um den Austausch zwischen den Populationen zu fördern – ohne die wirtschaftlich notwendigen, landschaftsgebundene Nutzung zu vernachlässigen.
Die Wahl des Rothirsches zum Tier des Jahres 2026 macht deutlich, wie wichtig der Schutz dieser eindrucksvollen Art ist. Gleichzeitig unterstreicht sie die Verantwortung vieler Akteure: Wissenschaft, zukunftsorientierte Raumplanung, Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Naturschutz und Jagd. Sie alle sind gefordert, durch fundierte Analysen und nachhaltige Maßnahmen die Lebensräume so zu gestalten, dass gesunde und widerstandsfähige Rothirschpopulationen auch künftig die Fauna der Inseln prägen.
