Der Jagdverband Rügen und Hiddensee nimmt die „Sträucherbörse 2026 – Vielfalt für die Reviere und unser Wild“ des LJV MV zum Anlass, den Mitgliedern unseres Verbandes sowie all jenen, die die Biodiversität in der Feldmark erhöhen möchten, Hinweise und Anregungen zur Pflanzung und Neuanlage von Hecken zu geben, da mit der initiierten Sträucherbörse keine inhaltlichen und fachlichen Hinweise zur Neupflanzung erfolgt sind. Gleichzeitig dient der Beitrag zum Schutz und der Entwicklung des Vogel des Jahres 2026 – dem Rebhuhn. Aufgegriffen wird das Thema erneut beim Niederwild-Syposium am 20. März 2026
Naturnahe Feldhecken
Feldhecken sind lineare, vorwiegend aus Sträuchern aufgebaute Gehölzstrukturen. Diese können von Bäumen durchsetzt (sog. Überhälter) oder auch von ihnen dominiert werden (Baumhecken). Teil der Feldhecke sollten auch krautige Säume sowie am Rand der Hecke abgelagerte Lesesteinhaufen sein.
Hecken können durch Sukzession entstehen oder angepflanzt werden. Beide Möglichkeiten – Sukzession und Anpflanzung – können gleichermaßen für die Neuanlage von Hecken genutzt und/oder kombiniert werden.
Sukzessionsstandorte
Sukzessionsstandorte sind zumeist Nutzungsgrenzen bzw. wirtschaftlich nicht nutzbare Flächen (z. B. Böschungen) oder auch Lesesteinwälle. Problematisch ist die Entwicklung solcher Hecken nur dann, wenn Verkehrssicherungspflichten bestehen oder bereits gesetzlich geschützte Offenbiotope (z. B. Mager- und Trockenrasen) betroffen sind. Eine Pflege ist im Regelfall nicht notwendig.
Anpflanzungen
Anpflanzungen erfolgen traditionell zur Abgrenzung von Nutzflächen sowie zum Schutz vor Emissionen, als Wind- und Wassererosionsschutz und als strukturelles Element im Verbund von Lebensräumen.
Schwerpunkte der Neuanlage von Feldhecken können sein:
- Lückenschluss in bestehenden Feldhecken bzw. Feldheckensystemen; Ergänzung entsprechend dem jeweils vorkommenden Heckentyp
- Anschluss isoliert liegender Feldhecken (Abstand zu anderen Gehölzbiotopen > 250 m) an andere Gehölzstrukturen
- Abgrenzung von Ackerflächen, die unmittelbar an Fließ- und Standgewässer (keine Kleingewässer) sowie an offene Moorstandorte angrenzen
- Ackerflächen in wind- und wassererosionsgefährdeten Gebieten
- Größere Ackerflächen ohne Gehölzstrukturen
Generelle Hinweise zur Neuanpflanzung von Feldhecken
Feldhecken können ebenerdig, auf Wällen oder in Kombination mit Wällen und seitlichen Gräben sowie auf Lesesteinriegeln angelegt werden. Welche Anlageform gewählt wird, hängt von der Zielstellung, dem Flächenbedarf und den regionalen Besonderheiten ab. Feldhecken kommen in Mecklenburg-Vorpommern nicht gleichmäßig verteilt vor. Auch die einzelnen Heckentypen weisen regionale Verbreitungsschwerpunkte auf.
- Orientierung an bestehenden Hecken in der Umgebung
Dabei sollte nicht nur darauf geachtet werden, welche Arten vorkommen, sondern auch, in welchen Mengenverhältnissen diese auftreten. Da jedoch ein „frühes Sukzessionsstadium“ gepflanzt werden sollte, können diese Mengenverhältnisse nicht adäquat umgesetzt werden. Erfahrungswerte zeigen, dass es für die Neuanlage genügt, 1–2 Baumarten und bis zu etwa 8 Straucharten zu verwenden; Rosengewächse (z. B. Weißdorn- und Rosenarten) sollten bevorzugt werden. Holunder und Brombeeren müssen nicht gepflanzt werden, da sich diese Arten in der Regel schnell eigenständig einstellen.
Generell sind heimische und standortgerechte Arten der jeweiligen Herkunftsregion zu verwenden, die zeitlich möglichst gut verteilte Blühaspekte sowie ein entsprechendes Früchteangebot im Herbst und Winter aufweisen. - Verwendung autochthonen Pflanzmaterials
Neupflanzungen und Nachpflanzungen sollen ausschließlich mit autochthonem Material, also Pflanzgut aus der Region, erfolgen. Hierfür ist fachmännische Beratung unumgänglich; entsprechende Herkunftsnachweise sind beim LJV MV einzuholen. Ebenso sind Eigentums- und Naturschutzrecht zu beachten. Inwieweit auf Baumschulware verzichtet werden kann, hängt von den individuellen Umständen des jeweiligen Vorhabens ab. - Berücksichtigung von Dornensträuchern
Ein vor mehreren Jahrzehnten angelegtes Heckensystem im Münsterland zeigt, dass Dornensträucher (z. B. Schlehe und Hundsrose) bei Anpflanzungen häufig zu wenig berücksichtigt werden. Diese lichtliebenden Sträucher haben später kaum Möglichkeiten, ihren Deckungsanteil zu erhöhen, da konkurrenzstärkere Arten der Anreicherungsphase (z. B. Hasel und Baumarten) dominieren.
Es wird daher empfohlen, bei Anpflanzungen Pionierarten wie Rosen, Schlehen und Weißdorn zu verwenden. Gerade Dornensträucher und früchtetragende Pionierarten machen Feldhecken für viele Organismengruppen besonders attraktiv. - Keine engen, gleichförmigen Pflanzschemata
Günstiger und kostensparender ist es, wenige Arten mit schütterer Deckung zu verwenden und Freiräume zur Eigenentwicklung zu belassen. Ein Teil der neu anzulegenden Feldhecke sollte – sofern keine Windschutzfunktion erforderlich ist (Stichwort Düsenwirkung) – der freien Sukzession überlassen werden. - Mindestbreite und Strukturvielfalt
Bei der Neuanlage sind Mindestbreiten von 8–10 m erforderlich, um schädigende Randeinflüsse abpuffern zu können. Breite Hecken sind für viele Tierarten optimal, da sie Windschutz und eine größere Strukturvielfalt bieten. Ebenfalls günstig ist die Anlage von Doppelhecken, Abzweigungen usw. Besonders wertvoll sind mosaikreiche Verbundstrukturen aus Kleinbiotopen (z. B. Feldhecken in Verbindung mit Kleingewässern, Verlandungsbereichen, Hochstaudenfluren u. a.). - Verbissschutz
Gehölzanpflanzungen benötigen seitlichen Schutz vor übermäßigem Verbiss. Als Alternative zur Einzäunung kann dieser Schutz durch Totholz (modifizierte Benjes-Hecke) erfolgen. Bei ausreichend hohem Pflanzgut (1,0–1,2 m) kann nach Ansicht von Berger (1997) auf eine kostenintensive Zäunung verzichtet werden. Diese Maßnahme erhöht die Attraktivität der Hecke für die Vogelwelt erheblich. Der Verbiss fördert zudem die Verzweigungsdichte der Sträucher und kann sich positiv auswirken. Im Schutz dornenbewehrter Sträucher können sich Arten der Anreicherungsphase wie Hasel und verschiedene Baumarten ansiedeln. - Krautsäume und Lesesteine
Die seitlichen Krautsäume sollten möglichst breit (mindestens 2 m) und extensiv gepflegt werden. Seitliche Lesesteinablagerungen, insbesondere in Südexposition, erhöhen den ökologischen Wert der neu angelegten Feldhecke zusätzlich.

Für die Neuanlage ungeeignete Flächen
- Neuanpflanzungen sollten nicht an Straßen erfolgen, um Tierverluste (insbesondere durch Vogelschlag) zu vermeiden. Hecken sollten außerdem nicht unmittelbar auf Straßen zulaufen, da ihre Leitlinienfunktion zu erhöhten Tierverlusten führen kann.
- Neuanpflanzungen auf gesetzlich geschützten Biotopen oder Flächen mit bereits bedeutender Funktion im Arten- und Biotopschutz sind zu unterlassen. Insbesondere Nahrungs-, Rast- und Schlafplätze von Kranichen, Gänsen, Sing- und Zwergschwänen sowie Brut- und Nahrungsflächen von Weihen und anderen Offenlandvögeln dürfen nicht durch Heckenpflanzungen beeinträchtigt werden.
- Neuanpflanzungen sollten nicht auf Moorböden erfolgen.
Hecken in der Grundmoränenlandschaft Rügens und Hiddensees sowie Vorpommerns
Schutz
Die bestehenden, überwiegend als Grenzhecken ausgebildeten Feldhecken müssen dauerhaft erhalten und gegebenenfalls ergänzt werden. Heckenbegleitende Strukturen wie krautreiche Säume, Lesesteinhaufen, Kleingewässer u. a. sind ebenfalls zu erhalten bzw. in ihrem Umfang zu erweitern.
Pflege
Überalterte Feldhecken mit größeren Baumabschnitten sowie Bereiche unter stark beschattenden Solitärbäumen sollten nicht in Pflegemaßnahmen einbezogen werden, da die Regeneration hier eingeschränkt ist oder ausbleibt. Gleiches gilt für die in dieser Region häufig vorkommenden Kopfbäume. Eine Pflege sollte nur erfolgen, wenn die Ausschlagsfähigkeit noch sicher gegeben ist.
Sukzessionshecken treten regelmäßig auf. Eine Pflege ist nur notwendig, wenn eine weitere seitliche Ausdehnung nicht zugelassen werden kann; meist genügt hierfür das Mähen des Krautsaumes.
Neuanlage
In Gebieten mit stärkerer Steinbestreuung kann die Anlage eines Lesesteinriegels eine langfristige Möglichkeit zur Entwicklung einer Feldhecke darstellen. Die Besiedlung erfolgt zwar langsam, jedoch bietet der Lesesteinriegel bereits früh wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tierarten.
Zur Separation landwirtschaftlicher Nutzflächen kann eine ebenerdige Anlage erfolgen, sofern ausreichender seitlicher Pufferraum vorhanden ist. Bestehende Windschutzpflanzungen können dabei kurz- oder mittelfristig in Feldhecken umgewandelt werden; hierzu müssen nichtheimische Gehölze entfernt werden.
Zum Schutz sensibler Lebensräume – insbesondere Niedermoore und Fließgewässer – gegenüber intensiv genutzten Flächen können ebenerdige Doppelhecken oder breite Hecken angelegt werden.
Der Jagdverband Rügen und Hiddensee wird gemeinsam mit der Stadt Putbus und dem Biosphärenreservat in diesem Jahr eine Musterhecke anlegen.
Im Rahmen des am 20. März 2026 stattfindenden Niederwildsymposiums wird das Thema Hecken fachlich vertieft sowie konkrete Pflanz- und Gestaltungspläne vorgestellt.
