Völlig sinnlos, unnötig und ohne jede wildtierökologische Notwendigkeit wurde das Symboltier des Forschungsprojekts „Wild auf Wanderschaft“ – zugleich Tier des Jahres 2026 – aus dem Leben gerissen: Ossi.
Mit dem tragischen Tod dieses regional bekannten und mittel signalfarbingen Halsband und Ohrmarken (Nummer 60) deutlich sichtbaren Rothirsches verliert die wildtierökologische Forschung auf Rügen nicht nur ein Tier, für das nach vorliegenden Informationen keine Abschussgenehmigung bestand und das für die genetische Sicherung der naturräumlich eingegrenzten Inselpopulation essenziell war. Es geht auch um einen der bedeutendsten und umfangreichsten Datensammler (rund um die Uhr) dieses wertvollen Forschungsprojekts.

Mit Ossi wurde erstmals klares Licht in das Raum-Zeit-Verhalten des Rotwildes auf Rügen und Hiddensee gebracht. Seine Daten bilden das Fundament für eine wissensbasierte Betrachtung des Rotwildes im jahreszeitlichen Rhythmus und schaffen die Grundlage für die nachhaltige Sicherung einer genetisch gesunden Inselpopulation.
Der Tod von Ossi bedeutet einen wissenschaftlichen Verlust, der mit Geld nicht aufzuwiegen ist. Das erst nach Tagen dem Jagdverband ausgehändigte und im Vorfeld mutwillig zerstörte Halsband verursacht zudem einen wirtschaftlichen Schaden in Höhe von mehreren tausend Euro für den Verband.
Es ist weder vermittelbar noch nachvollziehbar, dass der Verband bzw. die Hegegemeinschaft für Rotwild nicht unmittelbar nach dem Erlegen des Hirsches informiert und das Halsband übergeben wurde. Ein vertauensgeprägter Umgang sieht anders aus. Die telefonische Benachrichtigung erfolgte erst Tage nach dem Abschuss; das Halsband, das einen Teil der Daten gespeichert hatte, wurde noch später ausgehändigt.
Der Jagdverband geht davon aus, dass der wirtschaftliche Verlust vollständig und umfänglich durch den Schützen kompensiert wird. Bezüglich des Abschusses eines nicht zum Abschuss freigegebenen Hirsches wird angenommen, dass dies für den Todesschützen behördliche Konsequenzen haben wird.
Derzeit prüft der Jagdverband, ob das Halsband an Fachleute übergeben wird, um möglichst alle Daten bis zum Todeszeitpunkt zu rekonstruieren, oder ob lediglich die vorliegenden, permanent digital via Satellit übertragenen Daten und sonstigen Informationen veröffentlicht werden.
