Osterpirschgang


Vom Eise befreit sind Rügen und Hiddensee. Überall regt sich frühlingshaftes Leben und neues Wachstum – nur der Oster-(Feld-)hase fehlt im Revier allzu oft.

Der Feldhase ist ein faszinierendes Tier der Offenlandschaften unserer Inseln und eine Leitart für die vielfältigen, artenreichen Lebensräume unserer Kulturlandschaft. Er ist nicht nur ein Meister der Tarnung mit ausgezeichnetem Gehör, sondern auch ein exzellenter Sprinter mit ausgefeilter Fluchttechnik – so schnell holt ihn kaum jemand ein.

Doch leider machen ihm die Intensivierung der Landwirtschaft, ein immer dichteres Gefüge sich überlagernder Nutzungen sowie die zunehmende Zerschneidung der Landschaft das Leben schwer.

Feldhasen auf unseren Inseln Rügen und Hiddensee bevorzugen warme, trockene und offene Flächen mit guter Rundumsicht. Ihre Sasse (Versteck) wählen sie so, dass sie ihr Umfeld möglichst weiträumig überblicken können.

Nicht nur über die Ostertage hinweg nutzen Feldhasen vor allem Acker- und Grünland, lichte Wälder, Moore sowie Heide- und Salzwiesen als Lebensraum. Auch Parks, Friedhöfe und Gärten auf den Inseln werden von ihnen genutzt. Mitunter weichen Feldhasen sogar auf anthropogen geprägte Strukturen aus.

Der Feldhase ist sehr scheu, überwiegend nachtaktiv und lebt meist als Einzelgänger.

Feldhasen sind auf reich strukturierte Kulturlandschaften angewiesen, die ihnen ganzjährig Deckung und Äsung bieten.

Durch den Verlust geeigneter Lebensräume in der Kulturlandschaft ist der Feldhase zunehmend gezwungen, neue Lebensräume auch in dichter und intensiver vom Menschen genutzten Bereichen zu erschließen. Wie andere Wildtiere auch leidet er unter der Zerschneidung der Landschaft durch Straßen, Wege und andere urbane Strukturen. Auf Rügen fallen jährlich etwa 60 bis 100 Feldhasen dem Straßenverkehr zum Opfer.

Der Jagdverband Rügen und Hiddensee setzt sich intensiv für die Sicherung und Verbesserung der Lebensräume unseres Osterhasen ein.

Um eine noch umfassendere und zielgerichtetere Verbesserung der Habitat- und Populationsstrukturen zu erreichen, hat sich der Jagdverband Rügen und Hiddensee gemeinsam mit Flächeneigentümern, Landwirten und der Jägerschaft das Ziel gesetzt, das Netzwerk „Lebensraum Feldhase“ weiter zu intensivieren. Erste gemeinsame Schritte und Bemühungen sind bereits erfolgt – unter anderem mit dem vor wenigen Tagen ausgerichteten Niederwild-Symposium, an dem Landwirte, Jägerinnen und Jäger aus Norddeutschland, Biologen, Verbände sowie Vertreter der Kommunalpolitik teilgenommen haben. Mit diesem Symposium wurden Leitlinien und Rahmenbedingungen für die Entwicklung und Stärkung des Lebensraumpotenzials – unter anderem für den Feldhasen – vermittelt.

Um das gemeinsame Ziel einer strukturreichen und vielschichtigen Kulturlandschaft zu erreichen, bitten wir – stellvertretend für den Feldhasen – um Ihre Unterstützung, damit Blühstreifen, artenreiche Grünländer, Hecken und weitere wertvolle Strukturen geschaffen und erhalten werden können.

Jagd ist der Heimat verpflichtet – und bedeutet, Verantwortung zu übernehmen.

Zur Erhöhung der Feldhasendichte ist daher vor allem die Erhaltung beziehungsweise Verbesserung des Lebensraums durch das Anlegen von Brachen, Blühstreifen, Hecken und Feldrainen anzustreben. Eine gezielte Prädatorenbejagung kann die Überlebensrate der Junghasen zusätzlich erhöhen, ist jedoch ohne begleitende Lebensraumverbesserungsmaßnahmen nur von kurzfristigem Erfolg. Nicht zuletzt sollte eine mögliche Bejagung des Feldhasen den Prinzipien nachhaltiger Jagd folgen, die sich insbesondere am Zuwachs des Bestandes orientiert. Das Monitoring der Feldhasenpopulation sowie der sie beeinflussenden Faktoren bildet dabei die Grundlage für ein adaptives Management.