Die aktuellen Temperaturen und die Schneelage stellen viele unserer heimischen Wildtiere vor große Herausforderungen. Zwar sind sie seit Jahrtausenden an winterliche Bedingungen angepasst, doch die Entbehrungen, die Schnee, Eis, starke Winde und anhaltender Frost mit sich bringen, gehören zu den natürlichen Prozessen ihres Lebens. Über lange Zeiträume haben sie Überlebensstrategien entwickelt, um diese harten Phasen zu überstehen. Die erhöhte Sterblichkeit in dieser Jahreszeit ist – so schwer es uns Menschen fällt – ein grundlegender Bestandteil natürlicher Abläufe.
Gerade deshalb sind wir Menschen verpflichtet, Rücksicht zu nehmen und die Tiere nicht zusätzlich in kräftezehrenden Stress zu versetzen. Rücksichtnahme bedeutet jedoch nicht, dass wir auf Winterwanderungen zu Fuß oder mit Skiern verzichten müssen oder unseren Kindern das Rodeln oder Schlittschuhlaufen auf gefrorenen Gewässern untersagen sollen. Rücksichtnahme heißt vielmehr, sich bewusst und vorausschauend in der Landschaft zu bewegen.
So sollten wir Wege nicht verlassen und uns nicht querfeldein durch die Natur bewegen. Gefrorene Böden und zugefrorene Gewässer erschweren die Nahrungssuche ohnehin. Zusätzliche Störungen rauben den Tieren wertvolle Energiereserven, da sie länger und intensiver nach Nahrung suchen und größere Strecken zurücklegen müssen – Energie, die sie dringend benötigen, um einen Winter wie diesen zu überstehen.
Schnee, der wie in den vergangenen Tagen antaut und anschließend wieder gefriert, bildet an der Oberfläche eine harte, scharfkantige Eiskruste. Diese kann für Wald- und Feldtiere wie Rehe, Rot- und Damwild gefährlich werden. Beim Scharren nach Pflanzen können sie mit den Beinen durch die harte Schicht brechen und sich Schnitt- oder Sehnenverletzungen zuziehen.
Auch Feldhasen geraten bei der aktuellen Witterung schnell an ihre Grenzen, besonders wenn der Schnee nicht locker und trocken fällt, sondern schwer und nass. Dann bildet er keine isolierende Schicht, sondern durchnässt das Fell. Für junge Hasen ist das lebensgefährlich: Ihnen fehlt die isolierende Unterwolle, und sie kühlen durch Nässe, Wind und tiefe Temperaturen rasch aus. Werden sie zusätzlich beunruhigt, ist ihr Tod oft unausweichlich.
Die Natur lädt mit ihrem winterlichen Kleid zum Verweilen und Wandern ein. Seid dennoch achtsam und rücksichtsvoll, wenn ihr euch in der Natur bewegt, um den Tieren ihren benötigten Rückzugsort zu erhalten.
