UN-Jahr der Beweidung und des Hirtentums


Der Jagdverband Rügen und Hiddensee e.V. nimmt das bestehende „Jahr der Beweidung und des Hirtentums“ der Vereinten Nationen zum Anlass, erneut auf die Themen Weidetierhaltung, Lebensräume für Wölfe, Herdenschutzhunde, wolfsabweisende Weidezäune sowie die vielschichtigen landschaftsgebundenen Nutzungen auf den Inseln Rügen und Hiddensee einzugehen. Gleichzeitig unterstreicht der Verband seine Forderung nach einer Lebensraum- und Konfliktanalyse Wolf.

Große Flächen der Inseln werden erst durch die Beweidung zu Hotspots der biologischen Vielfalt, zu Aushängeschildern der Region und zu Magneten für Einwohner und Gäste. Dies gilt beispielsweise für das Mönchgut, die Heidelandschaften bei Prora, den Dornbusch auf Hiddensee oder die kilometerlangen beweideten Deiche, die wesentlich zur Sicherheit von Menschen und Eigentum beitragen.

Wer sich diesem Thema nicht ideologisch, sondern faktenbasiert nähert, erkennt, dass die Welt, in der große frei weidende Herden neben Wolf oder Goldschakal existieren, eine ganz eigene ist. Sie hat nur wenig mit den Gegebenheiten auf unseren Inseln gemeinsam, auf denen es um den Erhalt der Kulturlandschaft und zugleich um die Sicherung unserer Hochwasserdeiche geht.

Eine romantisch verklärte Welt des Berufshirtentums gibt es in Mitteleuropa seit Generationen nicht mehr. Ein flächendeckendes und gesellschaftlich getragenes Berufshirtentum existiert heute nicht mehr.

Eine weitgehend konfliktarme Koexistenz von pflanzenfressenden Nutztieren und großen Beutegreifern in unserer Kulturlandschaft – bei einer Dichte, wie sie in Mecklenburg-Vorpommern vorzufinden ist – wird nur möglich sein, wenn rund um die Uhr ein menschlicher Schutzschirm durch Berufshirten gewährleistet wird. Ein solches Leben und Arbeiten erfordert Hingabe, Sachverstand, Leidenschaft und die Bereitschaft, persönliche Entbehrungen in Kauf zu nehmen.

Wolfsabweisende Weidezäune bedeuten eine weitere Zerschneidung unserer Kulturlandschaft. Sie zerschneiden Lebensräume von Wildtieren, unterbrechen Wander- und Ausbreitungskorridore und können im schlimmsten Fall zu tödlichen Fallen werden. In einer Region, deren Hauptwirtschaftszweig der landschaftsgebundene Tourismus ist, bedeuten Zäune zudem Ausgrenzung und damit eine Schwächung der wirtschaftlichen Lebensgrundlage.

Herdenschutzhunde sind große, speziell gezüchtete, wehrhafte Hunde, die sich frei innerhalb der Herden bewegen. Auch wenn sie bei artgerechter Haltung in der Regel menschenfreundlich sind, stellt eine unvorbereitete Begegnung mit ihnen ein Risiko dar, sei es für Wanderer, Jogger oder die sie begleitenden Hunde. Denn ihre Aufgabe besteht darin, ihre Herde konsequent vor jeder vermeintlichen Gefahr zu schützen.

All dies lässt sich nur schwer mit unserer modernen, infrastrukturell stark erschlossenen und intensiv touristisch genutzten Küstenregion auf den Inseln Rügen und Hiddensee vereinbaren.

Der Jagdverband Rügen und Hiddensee e.V. betrachtet die Rückkehr des Wolfs als einen Erfolg des Artenschutzes in Deutschland und Mitteleuropa. Der Wolf ist und bleibt Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Eine dauerhafte gesellschaftliche Akzeptanz kann jedoch nur gesichert werden, wenn wildbiologische Erfordernisse mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Nutzungsansprüchen in Einklang gebracht werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine Lebensraum- und Konfliktanalyse Wolf erforderlich. Die Inseln Rügen und Hiddensee mit ihren vielfältigen und sich überlagernden landschaftsgebundenen Nutzungen bieten hierfür ideale Voraussetzungen. Eine solche Analyse kann das Fundament für die Managementpläne Wolf des Landes Mecklenburg-Vorpommern bilden.