Anlässlich des Arbeitstreffens und des Informationsaustauschs zu gemeinsamen wildtierökologischen Forschungen mit dem Schwerpunkt auf Wildtierkrankheiten und Zoonosen mit dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am 01. April 2026 wurde der Jagdverband Rügen und Hiddensee, vertreten durch seinen Vorsitzenden Thomas Nießen sowie Frau Dr. Rahm-Präger als Vorsitzende des Agrarausschusses des Landtages Mecklenburg-Vorpommern, durch die Präsidentin des FLI, Frau Prof. Dr. Kühn, herzlich begrüßt.
Seitens des FLI nahmen zudem teil: Prof. Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik (IvD) und Vizepräsident des FLI, Prof. Carola Sauter-Louis, Leiterin des Instituts für Epidemiologie (IfE), Prof. Timm Harder, Leiter des Nationalen Referenzlabors für Aviäre Influenza, PD Dr. Katja Schulz (IfE, Partizipative Epidemiologie), PD Dr. Timo Homeier-Bachmann (Arzneimittelresistenz), PD Dr. Kerstin Wernike, Leiterin der Nationalen Referenzlabore für Bovine Virusdiarrhoe, Schmallenberg-Virus und SARS-CoV-2, sowie Dr. Gereon Schares, Leiter der Nationalen Referenzlabore für Echinokokkose, Toxoplasmose und Beschälseuche.
Im Zuge des mehrstündigen Treffens wurde das einzigartige und keineswegs selbstverständliche Engagement der Jägerschaft der Inseln durch den Vizepräsidenten des FLI, Herrn Prof. Dr. Beer, im Rahmen des „Rügen-Projekts“ zur Erforschung von Wildtierkrankheiten, Zoonosen und antibiotikaresistenten Keimen besonders hervorgehoben. Durch die Bereitstellung von rund 1.750 Proben konnte eine der komplexesten geodatenbasierten Datengrundlagen in der Wildtierforschung geschaffen werden.
Die Ergebnisse der gewonnenen Daten ermöglichen es den Akteuren im ländlichen Raum, Übertragungswege von Krankheiten besser zu verstehen, Arten und Ökosysteme zu schützen sowie unter anderem die Entwicklung von Impfstoffen zu unterstützen.
Gegenstand des Arbeitstreffens waren darüber hinaus Wildtierkrankheiten, die nachhaltig sowohl Wild- als auch Nutztiere beeinträchtigen. Antikörper wurden bei Reh-, Rot-, Dam- und Muffelwild nachgewiesen. Hierzu zählen unter anderem das Blauzungenvirus sowie das Schmallenberg-Virus, die zu Missbildungen insbesondere bei Kälbern und Lämmern führen können und zudem verminderte Fortpflanzungsraten, Fieber sowie erhöhte Sterblichkeit verursachen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, welche Unterstützung die Jägerschaft der Inseln bei der Bereitstellung von Proben von Wildvögeln leisten kann, um die Grundlagen für eine umfassendere Erforschung der Vogelgrippe zu verbessern, um Nutztierbestände besser schützen zu können. Aufbauend auf den Erfahrungen aus dem „Rügen-Projekt“ und im Bewusstsein der Verantwortung, Jagd als gesellschaftlichen Beitrag zu verstehen und den ländlichen Raum zu stärken, wurde eine entsprechende Unterstützung in Aussicht gestellt.
Von Seiten des Jagdverbandes wurde in diesem Zusammenhang angeregt, parallel zur Probenbereitstellung auch Wildvögel, insbesondere Wildenten, mit GPS-Sendern auszustatten. Da etwa 30 % der Wildentenpopulation aus Jungtieren besteht und diese besonders empfänglich für die Vogelgrippe sind, könnten so wichtige Erkenntnisse über Ausbreitungskorridore und Raum-Zeit-Nutzungsmuster gewonnen werden. Auf dieser Grundlage ließen sich Modelle zur Ausbreitung von Krankheiten weiterentwickeln.
Denn nur das Wissen um Zusammenhänge ermöglicht es, kompetente Entscheidungen zu treffen.
