Gemeinschaft für ein den landeskulturellen Verhältnissen angepassten Wolfmanagements auf Rügen und Hiddensee


Das ganzjährige Auftreten des Wolfs auf den Inseln Rügen und Hiddensee in Verbindung mit dem Schutzstatus des Wolfs nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG, Anhang V), der Aufnahme des Wolfs als jagdbare Wildart im Jagdgesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern sowie die beabsichtigten gesetzlichen Änderungen auf Bundesebene (Bundesjagd- und Bundesnaturschutzgesetz) und die Verlautbarungen des Umwelt- und Landwirtschaftsministers Herrn Dr. Backhaus haben den Jagdverband Rügen und Hiddensee veranlasst, sich wissenschaftlich mit dem Lebensraum- und Konfliktpotenzial des Wolfs auseinanderzusetzen, um wissensbasierte und wissenschaftlich fundierte Antworten und Zielbestimmungen zur Koordinierung eines Wildtiermanagements geben zu können.

Im Zuge der Vorstands- und erweiterten Vorstandssitzung des Jagdverbandes am 16. Dezember 2025 wurden die Mitglieder und anwesenden Gäste über die Inhalte, Ziele, den benötigten Finanzbedarf sowie die zeitlichen Abläufe der Lebensraum- und Konfliktpotenzialanalyse informiert und der zeitliche Rahmen vorgestellt.

Da ein durch den Jagdverband Rügen und Hiddensee gestellter Fördermittelantrag zur Verwendung von Mitteln aus der Jagdabgabe seitens des Obersten Jagdbeirates des Landes Mecklenburg-Vorpommern mit der Begründung, dass der Goldschakal keine jagdbare Wildart ist, abgelehnt wurde (diese Begründung ist nicht plausibel, da dieses Wildtier einen nachhaltigen Einfluss auf dem Jagdrecht unterliegende Arten ausüben wird und – wie das Beispiel des Goldschakals auf Sylt zeigt – auch Einfluss auf die Weidetierhaltung nimmt), erfolgen derzeit Gespräche mit unterschiedlichen Landnutzern, Stiftungen, Einzelpersonen, der Wirtschaft und Banken sowie zur Nutzung eigener Haushaltsmittel des Jagdverbandes zur Absicherung des Finanzbedarfs.

Mit Absicherung der Finanzmittel wird die Erarbeitung der Lebensraum- und Konfliktpotenzialanalyse nur ca. sechs Monate in Anspruch nehmen, da umfassende Daten- und Informationsgrundlagen zum Themenkomplex Wolf durch den Jagdverband Rügen und Hiddensee mit Unterstützung des Büros blfa bereits erarbeitet wurden und ein Monitoring mit fortlaufender Fortschreibung erfolgt.

Ziel ist es, aufbauend auf den Ergebnissen der Lebensraum- und Konfliktpotenzialanalyse eine Gemeinschaft zu schaffen, die für das naturräumlich klar bestimmte Gebiet der Inseln Rügen und Hiddensee Maßnahmen zum Wildtiermanagement bezogen auf die Tierart Wolf formuliert, die das bestehende Lebensraumpotenzial unter Berücksichtigung der bestehenden landschaftsgebundenen Nutzungen wie Landwirtschaft, Hochwasserschutz, Natur- und Artenschutz, Tourismus, Bevölkerung u. a. mit berücksichtigt.

Die Lebensraum- und Konfliktpotenzialanalyse bietet eine Grundlage für ein effektives Wolfsmanagement, das sowohl den Schutzstatus des Wolfs nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG, Anhang V), den nationalen gesetzlichen Rahmen als auch die Interessen der betroffenen Menschen und landschaftsgebundenen Nutzungen berücksichtigt.

Thomas Niessen

Vorsitzender Jagdverband Rügen und Hiddensee