Bachelorarbeit flankiert das Projekt „Wild auf Wanderschaft“


Das wildtierökologische Projekt des Jagdverbandes Rügen und Hiddensee zum Raum-Zeit-Verhalten des Rotwildes verdeutlicht, wie wenig wir über das Raum-Zeit-Verhalten des Rotwildes in unserer Kulturlandschaft wissen.

Dass Wildschweine, Füchse, Waschbären und andere Wildtiere zunehmend in Siedlungsräumen leben, erleben wir täglich, und über Konflikte zwischen Mensch und Wildtier wird medial und mitunter emotional berichtet.

Dass Rotwild intensiv genutzte und überprägte urbane Räume ganzjährig nicht nur während der störungsarmen Nachtstunden, sondern auch tagsüber als Einstandsgebiete nutzt, ist weniger bekannt und für Norddeutschland nicht dokumentiert.

Aufbauend auf den durch den Jagdverband Rügen und Hiddensee ermittelten Grundlagen (Monitoring) und den Ergebnissen der fortlaufenden Auswertung der GPS-Daten der besenderten Tiere hat sich herauskristallisiert, dass Rotwild, hier vor allem weibliche Tiere, dauerhaft oder zumindest über längere, mehrwöchige Zeiträume urbane Räume als Lebensraum nutzt.

Dieses Verhalten ist nicht nur bei einzelnen Tieren festzustellen, sondern beim überwiegenden Teil der besenderten Tiere. Es gibt keinen Unterschied, ob diese Tiere jung oder alt sind oder ob sie Nachwuchs haben oder nicht.

Um das Wo und Warum dieses Verhaltens näher wissenschaftlich zu erforschen und darauf aufbauend Empfehlungen für ein zukunftsorientiertes Wildtiermanagement sowie Lösungen für den vermeintlichen Mensch-Wildtier-Konflikt abzuleiten, wird sich, neben der schon laufenden Masterarbeit zur wildtierökologischen Raumplanung, eine Bachelorarbeit an der Hochschule Neubrandenburg (als Link), begleitet durch blfa thomas niessen (als Link), mit diesem Themenkomplex auseinandersetzen.

Das Vorkommen von Wildtieren in Siedlungsräumen macht Natur in unmittelbarer Umgebung erlebbar. Diese Nähe wird aber meist dann zum Problem, wenn Gärten, Autos oder Häuser verschmutzt oder beschädigt werden. Dann sorgt die Anwesenheit von Wildtieren für Unmut.

Wie kann eine Koexistenz von Menschen und Wildtieren gelingen? Wie können wir Wildtieren Lebensraum in unserer unmittelbaren Nachbarschaft zugestehen, ohne dass große Schäden auftreten oder Krankheiten übertragen werden? Schon kleine Verhaltensänderungen können hierbei eine große Wirkung erzielen.

Ziel der Bachelorarbeit ist es, Antworten auf folgende Forschungsfragen zu finden:

Welche Habitat- und Landschaftsstrukturen innerhalb und im Umfeld der Ortslage werden vom Rotwild als Einstandsgebiete genutzt?

Lassen sich innerhalb des Untersuchungsgebietes räumliche Korridore identifizieren, die eine regelmäßige Nutzung und Durchwanderung der Ortslage durch Rotwild ermöglichen, und was könnten die entscheidenden Ursachen dafür sein, dass die Tiere diese Strecken trotz der anthropogenen Störungen durch den Menschen wählen?

Welchen Einfluss haben Infrastrukturen und anthropogene Störfaktoren auf die Lage der Einstandsgebiete sowie die Raumnutzung des Rotwildes innerhalb des urbanen Raumes?

U. a.

Die Ergebnisse werden voraussichtlich im Sommer 2027 vorliegen und veröffentlicht werden.